Baukasten oder Agentur?
Manchmal reicht der Baukasten. Wenn Ihr Betrieb ausgebucht ist, Kunden nur über Empfehlungen kommen und die Website reine Formsache ist, reicht der einfache Weg.
Wann der Baukasten reicht
Sie brauchen nur eine digitale Visitenkarte: Adresse, Öffnungszeiten, Telefonnummer. Sie haben jemanden im Haus, der sich gern darum kümmert. Und es stört Sie nicht, dass die Seite aussieht wie tausend andere. Dieser Weg kostet wenig Geld und viel Zeit.
Wann er Sie Aufträge kostet
Der Baukasten wird zum Problem, sobald Kunden vergleichen. Wer drei Handwerker googelt, ruft den an, dessen Auftritt Vertrauen ausstrahlt. Eine Vorlage erkennen Kunden, und sie ziehen ihre Schlüsse. Dazu kommt, was man nicht sieht: Ladezeiten, für die Google Sie nach hinten sortiert. Texte, die niemand auf Suchbegriffe hin geschrieben hat. Ein Impressum vom Stand 2019. Und die Frage, die am meisten verrät: Wann haben Sie die Seite zuletzt angefasst?
Was ein Baukasten technisch nicht leisten kann
Baukästen sind besser geworden. Trotzdem gibt es vier Grenzen, die sich nicht wegklicken lassen, und sie treffen ausgerechnet die Dinge, die über Auffindbarkeit entscheiden.
- Das Gewicht der Seite. Ein Baukasten lädt sein gesamtes Gerüst mit, auch für eine Seite mit vier Absätzen. Was Sie sehen, sind selten unter 2 Megabyte. Auf dem Handy im Neubaugebiet mit zwei Balken Empfang entscheidet das darüber, ob jemand wartet.
- Die Struktur unter der Oberfläche. Suchmaschinen lesen die Gliederung unter dem Layout. Wenn Überschriften nur nach Optik gewählt werden und jede dieselbe Ebene trägt, sieht Google eine Seite ohne Aufbau.
- Strukturierte Daten. Öffnungszeiten, Adresse und Leistungen lassen sich maschinenlesbar hinterlegen. Daraus baut Google seine Karteneinträge, und KI-Assistenten ziehen daraus ihre Antworten. Nur wenige Baukästen lassen sich hier gezielt steuern.
- Wo die Daten liegen. Prüfen Sie, wo Formulardaten gespeichert werden und ob der Anbieter das in seiner Datenschutzerklärung benennt. Ihre eigene Erklärung muss dazu passen.
Was eine Agentur nicht automatisch besser macht
Der Satz „wir machen das mit einer Agentur“ sagt für sich genommen wenig. Auch eine Agentur kann eine Vorlage ausliefern, nur teurer. Woran Sie das erkennen: Die Referenzen sehen alle gleich aus, nur mit anderen Fotos. Im Gespräch geht es sofort um Seitenzahl und Funktionen, und niemand fragt, wer eigentlich anrufen soll. Und die Frage, was passiert, sobald die Seite online ist, wird kurz beantwortet.
Daran zeigt sich der Unterschied. Am ersten Tag online ist eine Website nicht fertig, sondern einsatzbereit. Wenn im Angebot steht, was in Monat sieben passiert, arbeitet dort jemand, der schon einmal Monat sieben erlebt hat.
Rechnen Sie Ihre eigenen Stunden mit
Die Baukasten-Entscheidung wird fast immer mit dem Monatsbeitrag begründet und fast nie mit der Zeit. Also machen wir es einmal umgekehrt. Für einen Betrieb mit acht Seiten sind das erfahrungsgemäß:
- zwischen 20 und 40 Stunden für den ersten Aufbau, verteilt über Abende
- drei bis fünf Stunden im Monat für Änderungen, Bilder, Texte, Nachbessern
- und irgendwann ein Wochenende, an dem etwas nicht mehr funktioniert und niemand weiß, warum
Multipliziert mit dem eigenen Stundensatz ergibt das eine Zahl, die über dem Monatsbeitrag jeder Agentur liegt. Das spricht nicht gegen den Baukasten, nur dafür, mit allen Stunden zu rechnen.
Und wenn Sie später wechseln wollen?
Diese Frage sollten Sie vor der Unterschrift stellen. Ihre Domain gehört Ihnen und lässt sich zu jedem Anbieter mitnehmen, das ist der einfache Teil. Ihre Inhalte dagegen liegen bei manchen Baukästen in einem Format, das nur dieser eine Anbieter lesen kann. Texte lassen sich abschreiben, Bilder herunterladen, aber die Struktur baut jemand neu.
Der teure Fall ist ein anderer: Sie haben über Jahre Adressen von Unterseiten aufgebaut, die bei Google indexiert sind, und beim Umzug ändern sich alle. Ohne saubere Weiterleitungen verlieren Sie damit die Sichtbarkeit, für die Sie jahrelang gearbeitet haben. Fragen Sie deshalb jeden Anbieter, ob Sie Ihre Inhalte im Klartext exportieren können und wer die Weiterleitungen einrichtet.
Der eigentliche Unterschied
Entscheidend ist, wer sich nach dem Start kümmert. Eine Website arbeitet nur, wenn jemand an ihr arbeitet, Monat für Monat. Beim Baukasten sind Sie das. Bei einer guten Agentur ist es jemand, dessen Beruf das ist, während Sie Ihrem nachgehen.
Unsere Empfehlung: Rechnen Sie Ihre eigenen Stunden mit. Dann wird aus der Frage „Baukasten oder Agentur?“ schnell die Frage: Womit verdiene ich mehr, mit Stunden an der Website oder mit Stunden in meinem Handwerk?
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