saal eins: eine Seite, die weiß, wie spät es ist
Ein Reformer-Pilates-Studio mit vier Geräten hat vier Plätze pro Stunde. Vier Plätze pro Stunde bestimmen die ganze Seite. Die meisten, die sie öffnen, wollen nicht wissen, was Reformer Pilates ist, sondern ob heute Abend noch etwas frei ist.
Die üblichen Studio-Websites beantworten das zuletzt. Erst kommt ein Bild mit einer Schlagzeile über Achtsamkeit, dann drei Kacheln mit Vorteilen, dann irgendwann ein PDF mit dem Kursplan. Diese Arbeit dreht die Reihenfolge um.
Branche Reformer Pilates, vier Geräte
Ort Karlsruhe-Durlach
Leitmotiv der Stundenplan als Rückgrat der Seite
Farbwelt zweifarbig, ohne Akzentfarbe
Die eine Entscheidung
Der Stundenplan steht direkt hinter dem Auftakt
Er steht weder im Menü noch als Anhang auf einer Unterseite. Er ist der zweite Abschnitt der Startseite und damit das erste, was nach der Begrüßung kommt.
Und er kennt die Uhrzeit. Kurse, die heute schon gelaufen sind, stehen grau. Der nächste freie ist markiert. Wer um halb sieben abends auf die Seite kommt, sieht sofort, was noch geht, ohne eine einzige Zeile zu lesen. Dieselbe Angabe steht später im Fuß der Seite noch einmal, damit man nicht zurückscrollen muss.
saal eins ist ein Prototyp aus eigener Hand. Studio, Kurse, Namen, Zitate und Kontaktdaten sind erfunden. Wir zeigen die Arbeit, weil an ihr sichtbar wird, wie eine Seite aussieht, die von der wichtigsten Frage her gebaut ist.
Zwei Farben, keine dritte
Die Seite läuft auf Papier und Tinte, ohne Akzentfarbe, gegen die Gewohnheit.
Eine Akzentfarbe ist bequem. Sie markiert Knöpfe, hebt Wichtiges hervor und nimmt einem das Nachdenken darüber ab, wie Hierarchie sonst entstehen soll. Deshalb sehen so viele Seiten gleich aus: zwei Grautöne und ein kräftiger Ton für alles, was klickbar ist. Ohne diese Abkürzung muss die Ordnung aus Größe, Gewicht und Weißraum kommen. Das kostet mehr Arbeit, und am Ende sieht die Seite nach einem Ort aus.
Die Überschriften stehen in einer Zeitungsserife, der Lesetext in einer schmalen Groteske. Es gibt ein dunkles Gegenkapitel, das mitten in der Seite die Grundfläche umdreht: der einzige Moment, in dem die Tinte zum Hintergrund wird.
Preise als Fußnoten
Preise auf Studio-Websites sind fast immer Kacheln nebeneinander, drei Stück, die mittlere hervorgehoben. Dieses Muster verkauft Abonnements, aber es zwingt jeden Betrieb in dieselbe Form, auch wenn sein Angebot anders geschnitten ist.
Hier stehen die Preise stattdessen als Apparat am Rand, wie Fußnoten in einem Buch. Man liest den Fließtext über den Kurs und findet die Zahl daneben, wo sie hingehört. So steht der Preis da, wo er gebraucht wird, ohne die Seite zu beherrschen. Für ein kleines Studio, das nicht über den Preis konkurriert, passt das.
Durch die ganze Seite läuft außerdem eine schmale Randspalte mit Notizen zum Raum: welcher Bogen wo sitzt, wie viele Plätze ein Kurs hat, wann geputzt wird. In dieser Spalte steht kein Verkaufstext, nur der Ort.
Bilder, und wem sie gehören
Fünf Motive tragen die Seite, und sie haben zwei verschiedene Herkünfte. Zwei Aufnahmen stammen aus einer freien Bilddatenbank; ihre Lizenz erlaubt die kommerzielle Nutzung ausdrücklich ohne Namensnennung, wir nennen die Urheberin trotzdem im Seitenfuß. Die anderen drei sind erzeugt. Der Prototyp weist das an jedem einzelnen Bild aus, und ein echtes Shooting würde sie vor dem Start ersetzen. Was einen Betrieb selbst zeigt, muss fotografiert sein.
Die Lizenzangabe eines Hochladenden ersetzt keine Rechteprüfung: Wer ein Bild in eine Datenbank stellt, muss nicht selbst der Rechteinhaber sein. Wenn wir die Herkunft jedes Motivs dokumentieren und nennen, ist im Streitfall nachvollziehbar, woher es kam. Diese Dokumentation legen wir bei jedem Projekt an, auch bei den erfundenen.
So etwas für Ihren Betrieb?
Erzählen Sie uns in 20 Minuten, was Sie machen. Zwei Tage später sehen Sie den ersten Prototyp, kostenlos.
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