Maklerseiten sehen einander ähnlich, und dafür gibt es einen Grund. Die meisten sind um eine Objektliste herum gebaut, und eine Objektliste sieht überall gleich aus. Das Ergebnis ist ein Berufsstand, dessen Websites austauschbar wirken, obwohl es um Kaufpreise im sechsstelligen Bereich geht.
Diese Arbeit geht in die andere Richtung. Sie ist von allen unseren Prototypen der lauteste, und das ist der Punkt: Sie soll zeigen, wie weit wir gehen können, wenn ein Betrieb das aushält. Der fiktive Makler dahinter vermittelt Altbau-Eigentum in der Karlsruher Weststadt, also Häuser mit Stuck, hohen Decken und Geschichte. Ein Auftritt in Grau mit Suchmaske würde davon nichts erzählen.
Branche Immobilienvermittlung, Schwerpunkt Altbau
Ort Karlsruher Weststadt
Umfang Startseite, Objekt-Detailseite, eigenes Signet, 12 eigene Bildmotive
Rolle das Schaustück, bewusst lauter als die übrigen Arbeiten
Die Seite läuft auf Sandstein #F6F2EC mit Tiefrot #8C2F2A. Der Kontrast zwischen beiden liegt bei 8,4 zu 1, also deutlich über der Schwelle, die für Fließtext gefordert ist. Das ist nachgerechnet, bevor die erste Zeile gesetzt wurde.
Der Grund, warum das hier zählt: Tiefrot ist eine Farbe, die man leicht zu hell wählt, weil sie dann freundlicher wirkt. Genau dabei fällt sie durch. Ein Rot, das auf hellem Grund gut lesbar bleibt, muss dunkler sein, als das Auge zunächst will, und wirkt dann teurer, nicht strenger.
Gesetzt ist alles in Archivo, durchgehend und sehr groß. Es gibt keine zweite Schrift. Die Hierarchie entsteht ausschließlich über Größe und Gewicht, was der Seite ihre Ruhe gibt, obwohl sie laut ist.
Aus mehreren Entwürfen wurde der Doppelgiebel ausgewählt: zwei Dachformen, die ineinandergreifen. Es funktioniert klein im Reiter des Browsers und groß über einer Objektkarte, was bei Hausformen selten gelingt — die meisten Immobilien-Logos werden klein zu einem unlesbaren Dreieck.
Die gestalterische Entscheidung
Die Startseite beginnt mit einem fotogeführten Bereich, der an das Scrollen gekoppelt ist. Das Bild bleibt stehen, während der Text darüber weiterläuft, und gibt es erst frei, wenn der Abschnitt zu Ende ist. Der Besucher wird durch den Einstieg geführt, statt vor einem Standbild mit Suchmaske zu landen.
Damit Objektkarte und Detailseite erkennbar dasselbe Haus zeigen, wurde das große Detailbild aus dem bereits fertigen Objektbild abgeleitet. Daran erkennt man ein Portfolio: Jedes Bild zeigt dasselbe Haus.
Westwelt Immobilien ist ein Prototyp aus eigener Hand. Das Unternehmen, seine Objekte und seine Kontaktdaten sind erfunden. Wir zeigen die Arbeit, weil an ihr sichtbar wird, wie weit eine Gestaltung gehen kann, wenn die Branche es trägt.
Die Seite entsteht aus Vorlagen über ein kleines Bauskript. Startseite, Objektseite und eine Fassung, die alles in einer einzigen Datei bündelt, werden daraus in einem Durchlauf erzeugt. Zwölf Bildmotive werden dabei mit eingebettet.
Der Nutzen zeigt sich beim zweiten Objekt. Wer eine Maklerseite von Hand pflegt, kopiert HTML und macht dabei irgendwann einen Fehler. Wer sie bauen lässt, ändert eine Zeile und stößt den Bau neu an. Für einen Betrieb, der laufend Objekte tauscht, ist das der Unterschied zwischen einer Website, die gepflegt wird, und einer, die veraltet.
Eine Sache hat uns diese Arbeit gelehrt, und sie hat nichts mit Gestaltung zu tun. Die Kostenschätzung für die Bilderzeugung stammte aus einem früheren Projekt und lag um ein Vielfaches daneben. Seitdem holen wir vor jeder Freigabe eine echte Vorschau, statt aus Erfahrung zu schätzen. Zahlen aus einem Projekt tragen nicht ins nächste.
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